Grundrissplanung - gewusst wie!

Während am Anfang der Haussuche vor allem Architektur, Stil und Design des Hauses im Vordergrund stehen (man möchte ja ein schönes Haus, am besten das schönste der ganzen Nachbarschaft), geht es dann recht rasch ans Eingemachte: Die Grundrissplanung!

Die meisten Familien sind während ihres Hauskaufprozesses demnach auch am längsten mit dem Grundriss des Hauses beschäftigt – vollkommen zurecht, denn das Haus muss ja auch viele Funktionen und Anforderungen erfüllen!

Daher intensiv Gedanken machen: Was brauchen wir? Was wollen wir? Aber auch: Worauf können wir verzichten?


Individualplanung vs. Typenhaus

Zuerst mal kurz Basiswissen abklären: Bei Fertigteilhäusern wird zwischen Individualplanung und Typenhaus unterschieden. Während ein Typenhaus aus einer Produktreihe mit vorgegebenem Grundriss und Varianten entspringt, ist die Individualplanung das komplette Gegenteil – nämlich ein individuell geplantes, auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes Haus.

Beide Typen haben ihre Daseinsberechtigung! Ein Typenhaus kombiniert von Profis durchdachte Lösungen mit optimierten Herstellungs­ und Bauweisen, wodurch es natürlich kostenschonender erhältlich ist. Die meisten wollen jedoch trotzdem ein Haus individuell planen, da die eigenen Vorstellungen oft von den Vorgaben abweichen oder – auch oft ein Grund ­ die Grundstückskonfiguration den Bau eines Typenhauses gar nicht zulässt.

Auf alle Fälle empfehlenswert ist es, den Fertighausberater sehr eng in den Planungsprozess einzubinden. Er macht eine Bedarfsanalyse, besichtigt das Grundstück, nimmt Ideen und Vorstellungen auf und setzt diese in einem ersten Entwurfsplan um. Dieser ist dann Ausgangspunkt für Weiterentwicklungen oder Adaptierungen, bis der endgültige Plan steht.

Es gibt zwar Fertighausfirmen, die auf Typenhäuser bzw. auf Individualplanungen spezialisiert sind, in der Regel bieten jedoch alle Firmen beides an. Und als kleine Anmerkung so nebenbei: Die meisten Häuser, die gebaut werden, sind Typenhäuser mit individuellen Adaptierungen.


Die Art der Änderung macht den Preis

Nicht selten herrscht Unverständnis über den hohen Preis von vermeintlich kleinen Änderungen. Ganz ehrlich: Es hängt einfach von der Art der Änderung ab. Das Verschieben einer Wand kann oft fast gar keine Auswirkungen haben (= relativ billig), manchmal aber massiv in die Statik des Hauses eingreifen (= teuer). Vermeintlich geringfügige Vergrößerungen können – wenn‘s blöd läuft – dazu führen, dass vielleicht sogar ein weiterer LKW für den Transport gebraucht wird (= teuer).

Oftmals sind kleine Änderungen aber schlussendlich das, was sie sind: Kleine Änderungen mit kleinen Auswirkungen auf den Preis. Bei Änderungen/Adaptierungen sollte man auf alle Fälle beim Bauberater nachfragen, welche Auswirkungen gewünschte Änderungen haben. Mehr zum Thema Preisvergleich bei Fertighäusern gibt’s hier nachzulesen.


Wichtige Grundsatzfrage – Keller oder Fundament?

Für viele gehört zu einem richtigen Haus ein Keller dazu. Warum denn auch nicht? Platzreserve, Stauraum, Hobbyraum, Technikraum – bringt man alles im Keller unter. Speziell wenn der Keller als Wohnkeller ausgeführt ist, bleiben den Nutzungsmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt (Gästebereich, Büro, Spielzimmer, ...). Und in Hanglage ist ein Keller sowieso unumgänglich.

Allerdings: Ein Keller kostet auch um ca. 50.000€ mehr als eine Fundamentplatte, ein Wohnkeller kostet noch einmal deutlich mehr (wobei dadurch "oben" oft Platz gespart werden kann).

Als Alternative zum Keller kann man nur ein Fundament bauen und integriert die Funktionen eines Kellers oberirdisch... man berücksichtigt mehr Abstellraum, plant mit einer Speis, sieht ein zusätzliches Zimmer vor oder baut eine größere Garage oder ein Car­Port mit Geräteschuppen.

Schlussendlich ist es eine individuelle Entscheidung. Wenn man mit Kompromissen (und ohne Keller) leben kann, kann man sich hier auf alle Fälle Geld sparen!


Noch wichtiger – das Raumprogramm

Das wichtigste an der Hausplanung ist schlussendlich: Welche Räume brauchen wir? Wie wollen wir schlussendlich wohnen? Diese Fragen muss jeder zukünftige Häuslbauer für sich selbst beantworten – kein Hausberater kann euch diese Entscheidungen abnehmen, er kann dabei nur unterstützen!

Zuerst gibt es die Entscheidung zu Essen/Kochen/Wohnen: Soll das alles offen sein? Möchte man Küche oder Wohnzimmer geschlossen oder reicht ein Raumteiler? Oft eine gute Überlegung dabei: das Wohnzimmer um die Ecke!

Weiter geht’s mit den Kinderzimmern... In den meisten Familien unverhandelbar: Jedes Kind bekommt sein eigenes Zimmer. Eine gute Richtgröße sind hier pro Zimmer 12-14 Quadratmeter, es soll ja nicht zu klein sein. Es gibt sehr viele Typenhausgrundrisse für Hüuser mit bis zu 3 Kinderzimmern. Bei 4 Kindern wird oft das Gästezimmer zu einem zusätzlichen Kinderzimmer umgewandelt, ab 5 Kindern empfiehlt sich spätestens eine Individualplanung.

Hinsichtlich Bad und WC geht der Trend derzeit in Richtung eigenes Kinderbadezimmer und großzügigerem Masterbadezimmer im Elternschlafbereich. Und falls ein Gästebereich im Erdgeschoss vorhanden ist, wird oftmals eine Dusche ins Gäste-­WC integriert. Fast schon Standard: Der Schrankraum im Elternbereich.


Nicht sparen bei "unwichtigen" Räumen

Nicht gespart werden darf bei Räumen, die im ersten Gedankengang nicht so wichtig erscheinen: Abstellräume beispielsweise sollten auf alle Fälle eingeplant werden (Tipp: Der Platz unter der Stiege empfiehlt sich hier oft!). Auch an eine Speis sollte – je nach Küchenplanung – gedacht werden. Falls die Küche groß gebaut ist und genug Schränke Platz finden, ist eine Speis vernachlässigbar – wenn dies nicht der Fall ist (und auch kein Keller vorhanden ist), sollte eine Speis geplant werden.

Oft vernachlässigt wird auch die Garderobe bzw. der Eingangsbereich: Diese sollte niemals zu klein geplant werden – speziell bei Familien mit Kindern! Der Eingangsbereich sollte mindestens 8 Quadratmeter haben, um vernünftig viel Platz zu haben.

Auf alle Fälle notwendig ist auch ein Technikraum. Je nach Art der Heizung kann dessen Größe jedoch variieren: Wärmepumpen brauchen relativ wenig Platz, Pelletsheizungen brauchen mehr Platz (Pelletslager!). Immer mehr im Kommen sind auch Wohnraumlüftungen, die im Technikraum Platz finden müssen.


Der Gast ist König - oder?

Viele möchten es ihren Gästen so angenehm wie möglich machen. Somit wird oftmals ein eigenes Gästezimmer berücksichtigt, idealerweise sogar mit eigenem Badezimmer. Hierbei ist praktischerweise anzudenken: So ein abgegrenzter Gästebereich mit eigenem Bad/WC könnte später zum Beispiel genutzt werden, wenn man auf Pflegehilfe angewiesen ist (oder für das AuPair­-Mädchen).


Bei der Planung Zeit lassen

Auch wenn nun bereits einige wichtige Dinge genannt werden – jetzt nochmal genau lesen und beherzigen: Das allerwichtigste bei der Hausplanung ist es, sich genug Zeit zu nehmen und gut zu überlegen. Über alle Räume nachdenken, die man braucht, die man später brauchen könnte und auf die man vielleicht doch verzichten kann. So können über kurz oder lang Ärger und Umbauarbeiten gespart werden.

Datum: 23.06.2016