Baurecht-ABC

Wie viele Gebäudeklassen gibt es, wer ist zuständig für die Bauvorschrift und wie sind die Landesbauordnungen gegliedert? Als angehender Bauherr muss man sich durch einen regelrechten Baurecht-Dschungel wühlen. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären dir die wichtigsten Begriffe in Sachen Baurecht.


Künftige Bauherren aufgepasst!

Als Bauherr ist es oft gar nicht so einfach, sich in Sachen Baurecht zurechtzufinden. Entscheidest du dich für ein Fertighaus, hast du es natürlich leichter, denn wir übernehmen für dich nicht nur sämtliche Behördengänge und beraten dich zu allen Themen rund ums Haus bauen. Bei einem Fertighaus aus dem MUSTERHAUSPARK kannst du dir zudem sicher sein, dass dein Traumhaus mit allen Normen und Richtlinien konform ist. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, sich auszukennen – wir bringen dein Fachwissen in diesem Blog-Beitrag auf Vordermann!


Baurecht – ein Exkurs

Einen klaren Überblick über das österreichische Baurecht kann man nicht wirklich geben, da es hierzulande nicht nur eine Bauordnung gibt, sondern gleich neun unterschiedliche! Das Bauwesen unterliegt nämlich der Landesgesetzgebung. Auf der Website des Bundeskanzleramts findest du die wichtigsten Baugesetze in deinem Bundesland. In verschiedenen Novellen strebt der Gesetzgeber eine Vereinheitlichung an, da teilweise nicht einmal die Bezeichnungen der Bauordnungen einheitlich sind. So gab es bereits Harmonisierungen bei technischen Vorschriften oder beim Energieausweis. Eine detaillierte Zusammenfassung der aktuellen Richtlinien findest du beim Österreichischen Institut für Bautechnik (OIB). Tipp: Hol dir von deiner Gemeinde oder deinem Magistrat Informationen zu Bauverordnungen, bevor du mit dem Planen des Hauses beginnst.


Gliederung der Landesbauordnungen

Generell werden die Landesbauordnungen in vier Bereiche gegliedert:

  • Die Bebauung wird durch Flächenwidmungspläne und Bebauungspläne geregelt. Darüber hinaus gibt es generelle und zeitlich begrenzte Bausperren und Bauverbote. Auch die Änderung von Liegenschaftsgrenzen wird hier geregelt, das betrifft z. B. Grundabteilungen, Grenzberichtigungen, Enteignungen oder auch Aufschließungsbeiträge, also Gemeindeabgaben.
  • Das Bauvorhaben setzt formelle Erfordernisse voraus wie Ansuchen um Baubewilligung, Bauverfahren, Bauverhandlung, Baubewilligungsbescheid oder Baukontrollen.
  • Für die bauliche Ausnützung des Bauplatzes gelten Richtlinien für z. B. Bauhöhe und -klasse, Bauweise, Bebauungsdichte sowie die äußere Gestaltung und Einfriedung.
  • Der vierte Bereich umfasst sogenannte konstruktive und gesundheitliche Vorschriften wie z. B. Belichtung und Belüftung von Räumen, lichte Raumhöhen, die Gebäudeausstattung oder die technische Versorgung.

Gebäudeklassen

Es gibt insgesamt fünf Gebäudeklassen in Österreich. Sie sind in Bauordnungen geregelt und für alle Bundesländer einheitlich. Sie gelten für sämtliche Häuser, also auch Fertighäuser. Die Gebäudeklassen sind in Zusammenhang mit dem Brandschutz sowie den Vorschriften für den Bau von Stiegen von Bedeutung. In den Richtlinien (OIB) werden die ersten beiden – für Fertighäuser relevante – Gebäudeklassen wie folgt definiert:

Gebäudeklasse 1 „Freistehende, an mindestens drei Seiten auf eigenem Grund oder von Verkehrsflächen für die Brandbekämpfung von außen zugängliche Gebäude mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als sieben Metern, bestehend aus einer Wohnung oder einer Betriebseinheit von jeweils nicht mehr als 400 m² Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße.“

Gebäudeklasse 2 „Gebäude mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als sieben Metern, bestehend aus höchstens fünf Wohnungen bzw. Betriebseinheiten von insgesamt nicht mehr als 400 m² Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße; Reihenhäuser mit nicht mehr als drei oberirdischen Geschoßen und mit einem Fluchtniveau von nicht mehr als sieben Metern, bestehend aus Wohnungen bzw. Betriebseinheiten von jeweils nicht mehr als 400 m² Brutto-Grundfläche der oberirdischen Geschoße.“

Das klassische Einfamilienhaus ist also ein Haus mit der Gebäudeklasse 1, ein Reihenhaus mit der Gebäudeklasse 2.


Kleines Baurecht-ABC

Die Baupolizei
Zuständig für die Einhaltung der Bauordnung ist die Baubehörde, das kann der Gemeinderatsausschuss sein, der Bürgermeister, die Magistratsabteilung, der Gemeinderat, der Stadtsenat oder die Landesregierung.

Bauvorschrift
Eine Bauvorschrift ist eine Anforderung, die in der jeweiligen Landesbauordnung verfasst ist. Gemeinden können Bauvorschriften erlassen, etwa zu Fenstergrößen, der Art der Dachneigung bzw. Dacheindeckung oder zu technischen Normen.

Bauweise
Die Bauweise beschreibt die festgelegte Anordnung von Bau- und Konstruktionselementen.

Bauverfahren
Ein Bauverfahren umfasst den Ablauf sämtlicher Vorgänge und Arbeitsweisen zur Herstellung eines Gebäudes.

Baunebenverfahren
Nach dem Landesgesetz geregelte Baunebenverfahren sind etwa die Wohnbauförderung, wasserrechtliche oder naturschutzrechtliche Verfahren. Demgegenüber stehen Verfahren, die durch die Bundesbehörde geregelt werden: denkmal-, starkstrom- oder wasserstraßenrechtliche Verfahren oder die Umweltverträglichkeitsprüfung.

Datum: 01.06.2017