Wer hat’s erfunden?

Was haben das Universalgenie Leonardo da Vinci, Albert Einstein, Kaiser Franz Josef und ein gewisser Wenzl Hartl gemeinsam? Und was hat das alles in einem Fertighaus-Blog verloren? Nimm dir fünf Minuten Zeit und lass dich überraschen!


Seit Jahrtausenden eine Erfolgsstory

Kurz gesagt, werden die wesentlichen Teile für ein Fertighaus ja woanders (heutzutage in einem Werk) vorgefertigt und dann auf dem Grundstück zusammengefügt. So gesehen sind zum Beispiel die Pyramiden im alten Ägypten frühe Vorläufer von Fertighäusern! Denn die gewaltigen und bereits im Steinbruch vorgefertigten Bauteile wurden den Nil flussabwärts transportiert, um auf der jeweiligen antiken „Baustelle“ unter unglaublichem Kraftaufwand zusammengefügt zu werden.


Japaner – Pioniere im vorgefertigten Holzbau

Die ersten Überlieferungen über den Einsatz handwerklich vorgefertigter Holzhäuser entstehen im 12. Jahrhundert in Japan. Quellen beschreiben eine zerlegbare und auf speziellen Handkarren transportierbare Holzhütte. Vorfertigung und Holzbau gehen somit erstmals vermutlich in Fernost eine Symbiose ein.


1494: Da Vinci baut die „Casa mutabile“

Auffällig ist, dass sich in der Menschheitsgeschichte viele kluge Köpfe mit dem Fertigbau beschäftigt und damit experimentiert haben. Ein Beispiel für dieses Phänomen ist im Mittelalter anzusiedeln: Der berühmte Maler der „Mona Lisa“ und Universalgelehrte Leonardo da Vinci baut 1494 die „Casa mutabile“. Das Haus ist vollständig vorgefertigt und wird am Ufer des Flusses Tigris aufgestellt. Das Genie da Vinci gilt deshalb als der Erfinder der frühen Tafelbauweise – und als ein Urvater des Fertigbaus.


Fachwerkbauten – ebenfalls vorgefertigt

Und wenn du mit offenen Augen durch deutsche Städte fährst, wirst du in deren historischen Zentren noch heute viele schmucke Fachwerkhäuser entdecken. Sie sind technisch und historisch betrachtet ebenfalls Vorläufer der heutigen Fertighäuser. Denn die Balken der Häuser werden von Zimmereien vorgesägt und an Ort und Stelle zusammengefügt.


Die Geschichte des modernen Fertigbaus

Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt in den USA die Geschichte des modernen Fertigbaus. Der Goldrausch hat Regionen wie Alaska oder Kalifornien erfasst, und es werden unzählige schnell fertiggestellte – und preiswerte – Häuser benötigt. Seitdem ist in den Vereinigten Staaten von Amerika der Fertigbau die übliche Bauweise.


Gustav Lilienthal

Der jüngere Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal erfindet um 1900 die sogenannten „Terrast Häuser“. Diese Gebäude sind bereits vollständig vorgefertigt und müssen auf ihrem Grundstück nur noch zusammengeschraubt werden. Es sind allerdings reine Zweckbauten, denen noch jeder ästhetische Anspruch fehlte.


Hartl als Österreich-Pionier

In Österreich ist es Firmengründer Wenzl Hartl (heute: „Hartl Haus“), der sich als einer der ersten mit dem Fertigteilbau beschäftigt. Auf einer Jagdausstellung im Jahr 1910 präsentiert er Kaiser Franz Josef I ein vorgefertigtes Einfamilienhaus. Es sorgt für Schlagzeilen, wird mit dem Staatspreis ausgezeichnet und der Pionier Wenzl Hartl bekommt den kaiserlichen Titel Hoflieferant verliehen. Noch heute kannst du das „Jagdhaus“ am Firmensitz der Firma Hartl in Echsenbach, NÖ bewundern.


Albert Einstein war begeistert

Als einer der ersten deutschen Architekten beschäftigt sich Konrad Wachsmann ausgiebig mit industrieller Vorfertigung und entwickelt in den 1920er-Jahren Maschinen, die Holzkonstruktionen für den Hausbau herstellen. 1925 entwickelt er ein Fertigbausystem und verkauft es unter anderem an seinen wohl berühmtesten Kunden Albert Einstein.


Bauhaus-Architekten als Vordenker

In Deutschland entdecken Ende der 1920er-Jahre vor allem Vertreter der Dessauer Architekturschule Bauhaus die Vorfertigung für den Eigenheimbau. Die Idee der Vordenker, allen voran Walter Gropius, war die standardisierte Serienfertigung von architektonisch konsequenten und funktionalen Fertighäusern, die ästhetisch anspruchsvoll und dabei erschwinglich sind. Schon in dieser Zeit lassen sich die Vorteile erkennen, die den Fertigbau bis heute prägen: die Vorfertigung der Bauelemente im Werk und die kurze Bauzeit auf der Baustelle. Gropius zeigt 1927 auf der Weltbundausstellung in Stuttgart seine ersten Montagehäuser. In den USA entwickeln Wachsmann und Gropius das „Packaged House System“, das seiner Zeit weit voraus ist.

Die beiden Weltkriege sowie die Weltwirtschaftskrise 1929 stoppen den Siegeszug der Fertighausbranche. Für neuen Aufschwung sorgt der rasch benötigte, günstige Wohnraum in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die eigentliche Erfolgsstory des Fertighauses im deutschsprachigen Raum beginnt. Zu dieser Zeit entsteht auch die Kleintafelbauweise, die bis in die 1970er-Jahre angewendet wird.

Heute ist in Österreich jedes dritte neu errichtete Haus ein Fertighaus. Leonardo da Vinci würde das sicher freuen …

Datum: 23.02.2017